AF Justierung und Feineinstellung Nikon und Canon

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  • AF-Justierung bei einer DSLR (Nikon und Canon) warum, wieso, weshalb…
Seit einiger Zeit befindet sich eine nigelnagelneue Nikon
D800 in meinem Besitz. Da man im Internet oft liest, dass man zur Erreichung
einer optimalen Schärfe nur mit Stativ und nur mit den allerneuesten Objektiven
fotografieren soll, war ich gespannt, was da dran ist. Ich fotografiere nämlich
gerne mit alten Linsen und ohne Stativ 😉
Nichtsdestotrotz sollt man eine gewisse Sorgfalt walten
lassen und die üblichen Regeln für gute Schärfe (also kurze Zeiten und etwas abblenden)
beachten.
Bei meinen vorherigen Kameras habe ich mich nie mit dem
Thema AF Feineinstellung beschäftigt, da ich mehr praktisch veranlagt bin und
normalerweise keine Testcharts fotografiere, die Gerüchte im Internet führten
dann aber doch dazu, dass ich meine Linsen mal durchtesten wollte, und siehe da
und oh Schreck, die Schärfe die war weg…
Na ja, ganz so dramatisch war es nicht, aber optimal waren
die Ergebnisse bei Offenblende auch nicht.  Was tun? Ich erinnerte mich düster an die
Funktion: AF Justierung, die bei Nikon die meisten semiprofessionellen und
professionellen Modelle (also D300, D700, D800 u. s. w.) bieten.  Canon hat in der EOS Serie ähnliche Möglichkeiten, wie es bei Sony und Pentax aussieht, kann ich nicht sagen.
  • Grundlagen der AF Justierung
Zunächst einmal: Was passiert eigentlich bei der AF Justage
? Früher hatten die manuellen Kameras einen sogenannten Schnittbildindikator im
Sucher, der für den Benutzer die manuelle Einstellung der optimalen Schärfe
vereinfachte. Aktuelle Spiegelreflexkameras haben dieses Prinzip über Autofocus
Sensoren automatisiert (die Details dazu spare ich mich, siehe Wikipedia
u.s.w.). Das Problem dabei ist, dass in der Kamera ein spezieller AF Sensor
eingebaut werden muss, der die Schärfe erkennt, dieser Sensor ist aber nicht
der Bildsensor, der das Foto aufzeichnet.

Kleinste Fertigungsungenauigkeiten
können dann dazu führen, dass die Kamera nicht 100%tig scharf stellt. Hinzu
kommt das Problem, dass auch die Objektive eine gewisse Fertigungstoleranz
haben. Die Justierung der AF Sensoren gleicht diese Ungenauigkeiten dann wieder
aus. Die Kamera merkt sich dabei je Objektiv die ermittelten Korrekturwerte
 

Systemkameras und Kompaktkameras sind da klar im Vorteil, da
diese Geräte ein anderes Prinzip verwenden und den Kamerasensor als AF
Messpunkt verwenden.
  • Testaufbau für die Autofocus Feineinstellung
Im Netz kann man sich diverse Testcharts runterladen (Google
Bildersuche: Testchart AF Justage). Das Testchart wird auf den Boden gelegt und
die Kamera wird auf ein stabiles Stativ gestellt und ca. 1 – 1,5 m (je nach
Brennweite) vom Testchart aufgebaut.  Die
Kamera wird dabei um ca. 45 Grad nach unten geneigt. Die Testcharts haben
meistens in der Mitte eine dicke Markierung, die für die Focussierung anvisiert
werden soll.

Wichtig ist, dass die Kamera ein klares Ziel für den AF hat.  Die Kamera wird jetzt auf Offenblende gestellt, also z.B.
2,8; 1,8 oder 1,4. Jetzt kann’s auch schon losgehen.

  • AF Justierung, Testdurchführung
Da die genaue Einstellung der Feinjustierung je nach Kamera
etwas unterschiedlich vonstatten geht, spare ich es mir hier die Bedienung der
Kamera zu beschreiben, => so etwas steht im Handbuch! Also: Mal eben
nachgucken.. Es kann nichts passieren, man kann die Veränderungen jederzeit
wieder rückgängig machen.
 
Ich mache jetzt zunächst einmal eine Aufnahme mit Autofocus, hierbei benutze ich das mittlere Autofocusfeld,
und danach eine Aufnahme mit Liveview und manueller Scharfstellung. Und wer
hätte das gedacht, die  Ergebnisse sind
deutlich unterschiedlich. 
Was jetzt folgt ist ein wenig Versuch und Irrtum… Zunächst
korrigiere ich den AF Punkt mit der AF Feineinstellung an der Kamera in eine
beliebige Richtung (falls im Kamerahandbuch beschrieben ist, in welche Richtung
zu verschieben ist, sollte man sich daran halten), jetzt mache ich wieder eine
Aufnahme.  Diese Aufnahme vergleiche ich
jetzt mit der ersten AF-Aufnahme am Kameradisplay (dazu muss ordentlich
reingezoomt werden) Ist das Bild schärfer oder schlechter? Wenn schlechter,
muss man wieder etwas zurück oder in die andere Richtung korrigieren.

Die Prozedur wird jetzt solange wiederholt, bis die optimale
Einstellung gefunden wurde.  (ist wie
beim Sehtest beim Augenarzt) Bei Zoomobjektiven sollte man auf jeden Fall den
Test auch mit unterschiedlichen Entfernungseinstellungen wiederholen. Es kann
durchaus sein, dass bei kurzen Brennweiten andere Einstellungen erforderlich
sind, als im Telebereich. In diesem Fall muss man dann einen Kompromiss wählen.
Überprüfung der AF Einstellung

Damit die  jetzt
gefundene  AF Einstellung auch wirklich
in der Praxis funktioniert sollten auf jeden Fall im Anschluss noch ein paar Testaufnahmen
gemacht werden. Ich fotografiere da gerne mein Bücherregal oder meine
Schallplattensammlung (natürlich vom Stativ). 
Wichtig ist, dass die Schrift dabei scharf abgebildet wird. Ich mache
dann eine kleine Testreihe, wobei ich in der AF Feinjustierung den Focuspunkt nochmal
leicht nach vorne und nach hinten verschiebe. Wenn vorher genau gearbeitet
wurde, sollte aber alles passen.

Im Anschluss gehe ich in den Garten und mache noch ein paar
Aufnahmen von Bäumen und Sträuchern aus verschiedenen Entfernungen und gucke
mir an, ob die feinen Strukturen scharf abgebildet werden.
  • Fazit der AF Justage:
Mit etwas Übung ist die Justierung schnell und einfach
durchzuführen, der Testaufbau ist einfach und in ein paar Minuten erledigt.
Belohnt wird man mit dem sicheren Gefühl, dass die Linsen auch bei offener
Blende ihr Optimum leisten. 
 
Mein altes Nikon 24mm AF mit Stangen AF habe ich auf jeden
Fall nicht wiedererkannt, das Teil ist plötzlich knackscharf. Auch beim 28-70mm
2,8 AFS gibt’s kleine Verbesserungen durch die AF Feineinstellung und den
größten Gewinn hatte ich beim Nikon 50mm 1,4 AFS, andere Optiken passten sofort.
Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt und ist schnell erledigt.
 
In den Testaufbau kann man natürlich mehr Arbeit und Aufwand
stecken, wichtiger als ein extrem präziser Testaufbau ist allerdings, dass die
Schärfe im Anschluss sorgfältig in der Praxis geprüft wird.Man sollte keinesfalls sofort nach einer Focusjustage eine wichtiges Shooting machen, sondern erst mal in Ruhe testen, ob auch wirklich alles stimmt.

2 Antworten

  1. […] Falls mal eine Linse problematisch sein sollte, empfehle ich auf jeden Fall, die Focusfeineinstellung der Kamera zu nutzen. Ich habe dazu vor ein paar Tagen ein Tutorial geschrieben. […]

  2. […] Front- oder Backfocus liegen. Wie man das korrigieren kann, habe ich vor längerer Zeit in einem Artikel etwas genauer […]

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